18.02.2026
Korbach

Selbstbestimmt bis zuletzt?!

Veranstaltung des kath. Bildungswerkes im Dekanat Waldeck am 17.03.2026. Drei Referenten werden zu dieser schwierigen Thematik referieren.

Vor einiger Zeit ging es durch die Medien: Die Kessler-Zwillinge seien selbstbestimmt, d.h. durch Suizid (Selbsttötung), gemeinsam aus dem Leben geschieden.

Jedem Menschen ist zu wünschen, dass er sich niemals in einer Lage sieht, in der die Selbsttötung als einziger Ausweg erscheint. Aber es ist auch niemandem zu wünschen, dass er mit dem Wunsch eines Menschen konfrontiert wird, ihm dabei Hilfe leisten (Suizidassistenz).

Wie würden wir mit einer solchen Bitte umgehen? Welche Hilfe bietet der christliche Glaube? Wie ist die Rechtslage? Wie gehen Ärzte damit um? Welche Erfahrungen und Argumente gibt es aus der Praxis? Wie ist dies an kirchlichen Einrichtungen?

Mit solchen und anderen Fragen, die auch aus dem Publikum kommen sollen, wird sich eine Talkrunde des katholischen Bildungswerks im Dekanat Waldeck in gemeinsamer Trägerschaft mit der evangelischen Stadtkirchengemeinde und der freien evangelischen Gemeinde am 17. März auseinandersetzen.

Für die (ethische) Debatte um die Zulässigkeit von Suizidassistenz markiert der 26. Februar 2020 eine Zäsur. An diesem Tag hat das Bundesverfassungsgericht in einem wegweisenden Urteil das Verbot der geschäftsmäßigen Suizidassistenz aufgehoben und ein „Recht auf selbstbestimmtes Sterben“ festgestellt. Seither werden hitzige Debatten um die moralische Zulässigkeit von assistiertem Suizid geführt: Während die einen im assistierten Suizid die Chance auf einen würdigen Tod sehen, mahnen die anderen, darunter die katholische Kirche, zum Schutz des Lebens bis zuletzt und warnen vor den Gefahren einer Normalisierung der Lebensbeendigung durch assistierten Suizid. Der diözesane Ethikrat für das Erzbistum Paderborn hat zu dieser Thematik im letzten Jahr eine Empfehlung erarbeitet, die auch innerhalb der katholischen Kirche nicht unumstritten ist.

Drei Referenten werden zu dieser schwierigen Thematik aus ihrem jeweiligen Fachgebiet referieren.

Zunächst wird Johannes Tomberg, Referent für den Diözesanen Ethikrat und für ethische Bildung im Caritasverband im Erzbistum Paderborn, referieren. Unter Rückgriff auf humanwissenschaftliche Erkenntnisse und ethische Überlegungen zum Phänomenbereich „Suizidassistenz“ werden Eckpfeiler eines verantwortbaren Umgangs mit assistiertem Suizid skizziert, die dem Respekt vor der Autonomie, dem Schutz des Lebens und der Fürsorge gleichermaßen Rechnung tragen sollen.

Herr Tomberg promoviert derzeit in katholischer Theologie zum Thema Freiheit in Anbetracht des Klimawandels, ist Mitglied im Graduiertenkollegs „Theologie – Tradition – Transformation“ der Universität Erfurt und war von 2022-2025 Mitglied der jungen Akademie der Katholischen Akademie Berlin und der Guardini Stiftung. Er ist Gewinner des Publikumspreises auf den Salzburger Hochschulwochen im Jahr 2025 für den Vortrag „Was uns vergiftet … und was uns (vielleicht) leben lässt“.

Herr Dr. Rost, Palliativarzt im Palliativteam Nordhessen, wird aus der Sicht eines Palliativarztes seine Aufgaben und seine Erfahrungen einbringen.

Frau Corinna Schwolow, Koordinatorin des Hospizdienstes Bad Arolsen und Fachkraft Palliativ Care, wird über Erfahrungen mit Todeswünschen in ihrer praktischen Arbeit im Hospizdienst berichten.

Das katholische Bildungswerk will mit dieser Veranstaltung wieder einmal in ökumenischer Offenheit eine Dienstleistung dafür anbieten, sich für die eigene Meinungsbildung zu einem schwierigen Thema breit zu informieren und verschiedene Standpunkte und Fakten kennen zu lernen. Der Austausch mit den Referenten und untereinander soll eine große Bedeutung haben.

Es ist geplant, das Thema Suizidprävention in einer separaten Veranstaltung zu thematisieren.

Der Vortrag am 17.3.2026 beginnt um 19.00 Uhr im katholischen Haus der Gemeinde St. Marien Korbach, Sachsenberger Landstraße 2. Ab 18.30 Uhr wird ein offenes Ankommen aller Interessenten bei Getränken und Knabbereien angeboten.