Welches Bild haben Sie vom Menschen? Diese Frage stellte der Hauptreferent des Abends, Johannes Tomberg, Referent für ethische Bildung im Diözesan-Caritasverband Paderborn, in den Mittelpunkt seines Vortrags. Denn es ging um Ethik und Verantwortung in der Suizidassistenz bei einem Vortrags- und Dialogabend des Katholischen Bildungswerks Waldeck in Korbach, zu dem knapp 90 Personen gekommen waren.
Johannes Tomberg wog die Argumente für und gegen eine Suidzidassistenz an drei Kriterien gegeneinander ab: Fürsorge, Würde und Selbstbestimmung. Wenn Würde niemals verloren gehen kann und auch nicht verdient werden muss, wenn im Rahmen der Selbstbestimmung der Mensch nicht nur als Individuum, sondern auch als Sozialwesen betrachtet wird, dann falle es schwer, den Suizid als „gut“ zu qualifizieren, so Tomberg. Auch vor dem Hintergrund einer Gesellschaft, die die Leistungsfähigkeit von Menschen in den Mittelpunkt stellt, kann die Diskussion um den assistierten Suizid zu einem Dammbruch führen: Dass Menschen sich unter dem gesellschaftlichen Druck sehen, weil sie „zur Last fallen“, den Weg des Suizids zu beschreiten. Welche Folgen hat das für hochaltrige, schwer erkrankte oder behinderte Menschen? Tomberg appellierte eindringlich zu mehr Suizidprävention. In seinem Vortrag kam er zu dem Schluss, dass es trotzdem Situationen geben kann, in denen ein Mensch trotz aller Bemühungen zu dem Urteil komme, dass der Tod in seiner Situation das geringere Übel als das Leben sei. Dann gelte es Selbstbestimmung bis zuletzt zu fördern, sie in der Entscheidung einzufordern und am Ende auch zu respektieren.
Der Palliativmediziner Dr. Michael Rost erläuterte die palliative Versorgung im Landkreis Waldeck-Frankenberg. Er zeigte, dass Menschen gut versorgt werden können und in den meisten Fällen Suizidwünsche durch Begleitung und therapeutische Maßnahmen nur temporär aufträten.
Die Koordinatorin des ökumenischen Hospizdienstes Bad Arolsen, Corinna Schwolow, erläuterte das Ringen innerhalb der Gruppe der Hospizmitarbeitenden um eine verantwortete Haltung zum Thema Suizidassistenz. Der Fokus liege auf Begleitung ohne Wertung, auf Ermutigung Gefühle und Ängste aussprechen zu können. Sollten Menschen, die sich in einer Begleitung befinden, den Suizid als letzten Ausweg wählen, werde die Begleitung bis zuletzt sichergestellt. Allerdings stelle der hospizliche Gedanke ein gutes Leben bis zuletzt in den Mittelpunkt.
Im anschließenden Dialog konnten weitere Positionen geklärt werden. Spürbar war der Respekt vor den Entscheidungen jeder einzelnen Person, die Notwendigkeit der guten Beratung und Begleitung sowie der Bedarf, das Thema Suizidprävention stärker zu beleuchten.
Leonie Jedicke, Dekanatsreferentin